PERPETUUM MOBILE

Mit „PERPETUUM MOBILE“ hatte das Ensemble nochmals ein eigenes Stück auf die Bühne gebracht, dass sich durch seinen Reichtum an Fantasie und Assoziationen auszeichnet und dem Zuschauer verrückt wie eine träumerische David-Lynch-Arbeit für die Bühne erscheint. Mit kleinen und großen Puppen, mit Masken und über Seile und Drähte ferngesteuerten Requisiten und Marionetten reichen die einzelnen Bilder über den Rahmen der Bühne hinaus bis in die Zuschauerränge. Der sprachliche und kulturelle Hintergrund des Ensembles tritt in den Vordergrund und der wenige Text wird auf Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch vorgetragen. Dazu wird teils klassisch gesungen, bis auf dem Höhepunkt der Inszenierung zu Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ alles in bunte Bewegung verfallen ist. Das „Perpetuum Mobile“ – eine physikalisch unmöglich zu konstruierende, selbst Energie hervorbringende und immer schneller arbeitende Maschine – mag für das Ensemble selbst stehen.

 

 

 

Auf der Bühne dominieren ein Schiffsmast und mehrere Segel. Im Prolog erklingen Worte von Kleist „über das Marionettentheater“, die den Weg zum Paradies weisen, dessen Pforten jedoch geschlossen sind. „Wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist“. Schon stürzen die Schauspieler mit einem Modellschiff über den Kopf erhoben durch das Publikum, während die Segel wehen und das Meer rauscht. Ein wildes Spiel beginnt, in dem Soldaten zum heißen Tango auf sich schießen, Menschen das große Lotto-Los ziehen, während sie ihr Hab und Gut suchen und die Bücher eines armen Schriftstellers verbrannt werden. Ein englischer Schausteller zeigt ein Puppentheater zweier Ritter, ein Satyr in hässlicher Maske jagt über die Bühne und am Mast erscheinen plötzlich zwei strahlende Lampen – ein überdimensionales Gesicht entsteht, das zu singen und weinen beginnt, während rings herum die Welt in Wahnsinn zu verfallen scheint.


Die Schauspieler wechseln die Rollen, führen die Marionetten und zeigen mit all den Mitteln des Theaters, dass ihre Suche nach dem Paradies, ihr wandern in der Welt doch nur dem einen gilt: dem Publikum, das die angestaute Energie des sich ständig bewegenden („perpetuum mobile“) Ensembles ernten durfte. Glücklicherweise gaben die Zuschauer all die Emotionen mit kinetischer Energie ihrer Hände an „Ton und Kirschen“ zurück. (MAZ vom 22.10.2008 Von Peter Degener)